Ghostbusters

„Schatz, wieso kommen in letzter Zeit so viele Menschen bei uns zu Besuch?“, fragte meine Frau, mit der ich mittlerweile seit über 750 Jahren zusammen war. „Ich kann es mir ehrlich gesagt auch nicht erklären“, gab ich zur Antwort. Es handelte sich überwiegend um junge Menschen, die in unserem Schloss in der Nähe von Bad Fusch übernachteten, das als Hotel von einem reichen Schnösel nunmehr betrieben wurde. Ich beruhigte meine Frau und meinte, dass wäre ja alles nicht so schlimm. Meine Frau gab sich schnippisch und warf mir vor, dass ich etwas damit zu tun hätte. Seit meiner kleinen Liaison vor 400 Jahren mit Veronica Franco kurz nach ihrem Tod, war sie wohl tatsächlich etwas misstrauisch. Ich hatte jedenfalls mächtigen Spaß, junge Frauen in deren Zimmer aufzusuchen und ihnen einen kleinen Schreck einzujagen. Besonders wenn sie aus der Dusche kamen, konnte ich mir ihren Körper schon als Geistwesen besonders gut vorstellen und wenn ich an ihnen vorbei huschte, schrien sie so herrlich auf. Ich führte bereits eine Liste der aus meiner Sicht in fragekommenden zukünftigen Liebhaberinnen, auch wenn ich wohl meist 70 Jahre warten musste. Vorgestern passierte aber leider etwas völlig Unvorhersehbares. Eine dieser jungen Grazien schrie nicht laut auf, als sie sich gerade frisch machte und ich sie von hinten zu umarmen versuchte, sondern drehte sich um und zog mich mit einem Apparat in eine kleine Box. Sie faselte davon, dass dies noch viel besser als im Film klappen würde. Ich schrie nun laut, leider erfolglos. Sie ging mit mir in den großen Empfangsraum, in dem ich die Stimme meiner Frau vernahm. „Ich kann dir das alles erklären“, waren meine ersten Worte. „Und was ist das für eine Liste?!“, schrie nun sie hysterisch mit meiner Aufstellung in der Hand. „Nun ja, ich wollte in meinen alten Jahren noch etwas Spaß haben“, erwiderte ich kleinlaut. „Mit diesen jungen Dingern?“, echauffierte sie sich. „Rein platonisch“, meinte ich. „So wie bei Veronica, ha, dass ich nicht lache!“, stieg ihre Empörung. Ich musste nun klein beigeben. „Ja, du kannst mit Casanova einmal in Venedig spuken“, versprach ich ihr widerwillig. Weiters würde ich auch die Ghostbusters-Plakate, mit denen ich Werbung für das Schloss machte, abhängen. Nach kurzer Zeit befreite mich meine Gattin aus der Box und ich konnte mich wieder frei bewegen. Seither arbeite ich an meiner Reinkarnation in einem echten Körper, da das mit meiner Frau und Casanova nun wirklich zu weit geht und ich wieder Geschmack am Körperlichen gefunden habe.

Harald, 01. März 2024.

Hinterlasse einen Kommentar