Die Wintergeister und ihre Opfer

Wintergeister

Im hellen Mondlicht war eine Schattenfigur zu erkennen. Das Haus brannte, eine junge Frau war tot. Kommissar Heinrich Hartman musste wieder ermitteln, in die Jahre gekommen, späte 60er, abgenutzter Mantel, sprach nie über Gefühle, natürlich stechender Blick. Die aufgelöste Mutter der Toten konnte die Fragen kaum beantworten. Die junge Frau hatte keine Freunde, lebte zurückgezogen, absolvierte zwei Studien äußerst erfolgreich und hatte sich bei mehreren Unternehmen beworben. Die Karriere fest im Blick, alles war angerichtet. „Ein Desaster“, meinte eine Nachbarin zutreffend, „attraktiv, intelligent, das Leben vor sich und jetzt so etwas!“ Kommissar Hartman konnte sich an einen ähnlichen Fall vor nicht einmal zwei Jahren erinnern und erkannte sofort die Parallelen. Hier trieb sich ein Serientäter herum, die Opfer waren junge Menschen. Hartman ermittelte in allen Richtungen, befragte das Umfeld, Verwandte und kam dem Täter schließlich näher. Auch ein dritter Fall vor nunmehr fast fünf Jahren passte in das Bild. Er schlug immer wieder zu, mitten im bürgerlichen Umfeld. 

Hartman fand vorerst den Zusammenhang trotzdem nicht. Junge Menschen, wissbegierig, keine Kontakte zu extremen Kreisen, unauffällig. Spät abends ging er alle Unterlagen nochmals durch. Am nächsten Tag fuhr er wieder zu den Eltern der beiden anderen Opfer. Seine Theorie schien sich zu bestätigen. So konnte Kommissar Hartman die Fäden zusammenführen. Alle jungen Opfer hatten sich bei Better Forever, dem führenden Konzern für Biohacking mit der Feuerflamme als Logo beworben und bekamen eine Zusage. Dort arbeiteten sie an der besten Version ihrer selbst und starben. Übrig blieben Schattenfiguren, die im hellen Mondlicht zu erkennen waren. Hartman wurden die Fälle später entzogen, schließlich lebten die Opfer. Hartman nahm kurz danach seine Polizeimarke, schmiss sie in den Fluss und wusste aus tiefstem Herzen, dass Leben anders ging. Und die Wintergeister trieben weiterhin ungeniert ihr Unwesen.

Harald, 17. Jänner 2025.

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