Aus dem Leben eines Brauers

Im April 1740 wird Anton Fleischanderl geboren, in Haidershofen, im westlichen Niederösterreich, gegenüber von Steyr, auf der anderen Seite der Enns. Sein Vater Daniel ist wie schon der Großvater Sebastian Wirt und Braumeister im Ortsteil Stampf, dem heutigen Vestenthal. Anton hat einen um ein Jahr älteren Bruder, Johann Georg. Als Anton selbst ein Jahr alt ist, bekommt er noch eine Schwester, Magdalena. Wenige Monate danach stirbt der Vater, an den Anton sich nie erinnern wird, im Alter von nur 38 Jahren. Das letzte Kind, das er vor seinem Tod noch gezeugt hat, Antons Schwester Susanna, kommt acht Monate später zur Welt. Einige Wochen nach der Geburt heiratet die verwitwete Mutter Eva Maria wieder, einen Braumeisterkollegen ihres verstorbenen Mannes, Ferdinand Leopold Wenger. Anton bekommt noch zwei Halbschwestern, Anna Maria und Theresia. Danach verliert sich seine Spur bis zum Ende des Jahres 1767, als er in Pichl bei Wels Anna Maria Hödlmair heiratet. Auch Anton hat in der Zwischenzeit das Brauhandwerk erlernt und steht bis zur Hochzeit in Dien­sten im Herrschaftsbrauhaus in Eferding. Seine Gattin Anna Maria stammt ebenfalls aus der selben Zunft, sie ist die Tochter eines Braumeisters in Etzlsdorf, das zu Pichl gehört. Als die erste Tochter Antons und seiner Frau, Maria Anna, zur Welt kommt, ist auch Anton Braumeister in Etzlsdorf. Die erste Tochter wird später einen Müller heiraten. In weiterer Folge setzen Anton und Anna Maria Fleischanderl weitere vier Kinder in die Welt, Elisabeth, Anna Maria, Johannes und einen weiteren Anton. Elisabeth wird 1791 in Oberndorf in der Gemeinde Kallham die Frau des Wastlbauern Johann Purgstaller. Auch sie bekommen 1794 einen Anton, der aber schon im Alter von zwei Monaten an Fraiß stirbt. Irgend­wann in dieser Zeit ziehen Anton senior und seine Frau zu ihrem Schwiegersohn und ihrer Tochter auf das Wastlbauerngut in Oberndorf. Ihre dritte Tochter Maria Anna nehmen sie auch mit; bereits im folgenden Jahr bringt sie ein unehe­liches Kind zur Welt, das auch Elisabeth getauft wird. Ihre Schwester fungiert als Patin. Der Vater ist wahrscheinlich der Sohn des Hufschmieds aus dem benachbarten Eckartsroith, Paul Burgholzer. Immerhin heiratet er Maria Anna im darauffolgenden Jahr; zusammen werden sie im Lauf der Zeit Eltern von 13 weiteren Kindern. Das Leben von Antons Tochter Elisabeth verläuft weniger glücklich. Sie schenkt zwar noch zwei weiteren Töchtern das Leben, stirbt allerdings ein Jahr nach der Geburt ihres letzten Kindes im Alter von nur 26 Jahren an Abzehrung. Ihr Mann gerät daraufhin aus der Spur, heiratet nicht wieder, häuft Schulden an und meldet sich zu den Soldaten, wird abgestellt zum k.k. Steirischen Infanterieregiment. Die Töchter lässt er in der Obhut und unter der Vormundschaft der Großeltern auf dem Wastlbauerngut zurück. Die Schul­den sind so hoch, dass Anton Fleischanderl das Gut für seinen Schwiegersohn im Jahr 1800 verkauft. Philipp Mallinger und seine Gattin Maria aus St. Marienkir­chen sind die Käufer. Sie gewähren Anton und seiner Frau für zehn Jahre freie Wohnung im Auszugsstübl und einige weitere Annehmlichkeiten. Sie dürfen sich eine Kuh halten und ein Schwein, das sie selbst füttern müssen. Im Sommer 1800 treten in Oberndorf die Blattern auf, denen in drei Wochen drei Kinder zum Opfer fallen, darunter auch Antons Enkeltochter Anna Maria. Im Jahr darauf fährt Anton nach Linz, um dort die Sterbeurkunde seines Schwiegersohnes beim Regiment abzuholen, den mit 33 beim Militär der Tod ereilt hat, womöglich im Zuge des Krieges der Österreicher und Bayern gegen Napoleon. Anton ist immer noch Vormund seiner letzten Enkelin Theresia, die das bescheidene Restvermö­gen ihres Vaters erbt. 1802 übernimmt Antons anderer Schwiegersohn Paul Burgholzer die Schmiede in Eckartsroith von seinem Vater Adam. Hier wird Anton, der mittlerweile 62 Jahre alt ist, noch einmal als Zeuge auf der Urkunde angeführt. Danach verliert sich seine Spur endgültig. Wo er gestorben ist, ist nicht bekannt. Es wäre verlockend zu behaupten, dass er gar nicht tot ist, son­dern unsterblich, gerade so wie das Getränk, das sein Erwerbsleben bestimmt hat.

Michael, 09. Februar 2019

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