Skandal

Sie saßen im Gewölbe. Der Abt hatte bereits drei gehaltvolle Bier intus und nahm einen kräftigen Schluck eines weiteren Glases. Er unterhielt sich sehr angeregt mit einer Nonne und machte ihr sichtlich Avancen. Die Nonne schien nichts gegen die Annäherungsversuche zu unternehmen, der Abt hatte sogar das Gefühl, sie wollte das ebenso. Er erzählte ihr von seinem Leben und machte er immer wieder Komplimente. Sie hätte schöne Augen, ein wunderschönes Gesicht und wirke so unberührt. Die Nonne lachte zaghaft. Zärtlich strich er ihr über die Beine und nahm einen weiteren Schluck. „Ich bin schon das dritte Jahr Abt und Nonnen haben noch nie Probleme gemacht..“, führte er aus. Sie schien das amüsant zu finden und ließ weitere Zärtlichkeiten zu. So küsste er sie auf den Mund und fasste ihr auch noch an ihr Gesäß. Sie waren nicht alleine, trotzdem fand keiner der Anwesenden es der Mühe wert, endlich einzugreifen und den Abt in seine Schranken zu verweisen. Die Nonne versuchte nicht einmal, sich zu wehren, war wohl aussichtslos. Der Genuss des Bieres machte den Abt noch freizügiger, Küsse mit Zunge und die Hände auf Erkundungsreise waren die wohl logische Folge. Außenstehende hätten glatt meinen können, die Nonne würde das nun auch noch genießen, wirklich undenkbar. Die Nonne erzählte in weiterer Folge dem Abt ebenfalls aus ihrem Leben und beantwortete seine Fragen. „Ja, auch ich habe gesündigt.“, führte sie aus, nachdem der Abt nach ihrem Lebenswandel gefragt hatte. Das weitere Glas Bier war geleert und nun ermahnte er die Nonne, dass er sie wohl in seine privaten Gemächer mitnehmen müsse, um ihr die Beichte abzunehmen. Die Nonne sah ihn lange an und meinte, dass dies dann wohl unvermeidlich sei und willigte ein. Er küsste sie nochmals in aller Öffentlichkeit lange und verschwand dann gemeinsam mit ihr aus dem Gewölbe, eine Hand an ihrem Gesäß. Skandal!

Im Gewölbe gingen die Feierlichkeiten weiter. Die Stimmung war ausgelassen und ein weiteres Bierfass neigte sich dem Ende zu. Alles und alle waren vertreten, „Es lebe der Zentralfriedhof“ wurde lauthals mitgegrölt. Ja, der Fasching war am letzten Samstag vor der Fastenzeit an seinem Höhepunkt angekommen, die Verkleidungen zugegebenermaßen schon besser. Somit diesmal kein Skandal, keine strafrechtlich relevante Handlung. Nichtsdestotrotz aber problematisch, die Nonne – und das muss man sich jetzt mal vorstellen – ist doch tatsächlich verheiratet! Doch ein Skandal!

Harald, 2. März 2019

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