In der Undank Bar

"Can you hear me, Major Tom?", singt David Bowie in voller Lautstärke aus den Boxen in der zum Bersten vollen Undank Bar, die im Zentrum von Brunsbüttel gerade neu aufgemacht hat. "Was?", fragt der ehemalige Leichtmatrose Hinkel am Tresen seinen Nebenmann, der irgendetwas zu ihm gesagt hat. "Ich hab dich nicht verstanden, es ist so … Weiterlesen In der Undank Bar

Mezkal

Ich sah, dass aus dem Boden vor mir ein seltsamer Schlauch ragte, den ich ins­tink­tiv tierischem Ursprung zuschrieb. Ich bat meinen Faunaberater um seine Ein­schätzung. Ich liege völlig richtig, sagte mein Berater, der Schlauch sei der hohle abgestorbene Leib eines Wurms, an dessen sich im Erdreich nicht selten ein Wurmloch befinde. Ich zog den Schlauch, … Weiterlesen Mezkal

Kowalski

Kowalski beanspruchte in der leeren Bar drei Plätze an der Theke, stellte auf den Hockern zu sei­ner Linken und zu seiner Rechten zwei unterschiedliche Behältnisse ab und wuch­tete seinen mächtigen Hintern auf den mittleren Sitz. "Moment", protes­tierte der Barkeeper. "Drei Hocker? So geht das nicht! Wie viele bist du denn?" "Ich bin einer mit zwei … Weiterlesen Kowalski

Wie Pudding und Radieschen

Nach Erlangung seines Abschlussdiploms an der Tubaschule Cuxhafen begab sich der Tubist Trötel, wie es sich für frisch ausgebildete Blasmusiker gehört, auf Wanderschaft. Im italienischen Poggibonsi machte er die Bekanntschaft des leicht unterbelichteten Trianglisten Tunkerbell, der, obwohl er kein Abschluss­dip­lom einer Triangelschule vorweisen konnte, schon seit Jahren unterwegs war und der Trötel von da an … Weiterlesen Wie Pudding und Radieschen

Fabel vom Hasen und seinem Über-Ich

"Wo bin ich?", mümmelte der Hase. "Es ist ziemlich komisch hier, gar nicht hasenkonform." "Du sitzt in der Klemme", sagte sein Über-Ich. "Hättest du nur vorher auf mich gehört!" "Stimmt", mümmelte der Hase, "ich kann mich keinen Spaltbreit bewegen, weder vorwärts noch zurück. Der Raum, in dem ich mich befinde, ist spitz und eng. Als … Weiterlesen Fabel vom Hasen und seinem Über-Ich

Einbildung ist auch eine Bildung

"Was treibst du da?" "Sieht man das nicht? Ich jage!" "Jagst du oder treibst du? Ich sehe keinerlei Gerät. Du fuchtelst nur mit deinen leeren Händen!" "Ich jage", wiederholte Beta. "Es ist aber alles streng geheim. Ich habe ein Schweigegelübde abgelegt." "Ein Gelübde?", fragte Alpha ungläubig nach. "Wer verlangt denn ein Gelübde?" "Das Institut für … Weiterlesen Einbildung ist auch eine Bildung

Der Pfauenmörder Heckenklesch

Bei den Gebrüdern Schwitzknirscher, die die Imbissbude meines Vertrauens be­treiben, ließ ich mir neulich um die Mittagszeit an der Verkaufstheke eine He­rings­semmel herrichten, in die ich zwecks Geschmacksverfeinerung zwei hauch­dünne Scheiben Avocado hineinreklamierte. Ich bezahlte und wollte gerade den ersten Biss in meine Semmel tätigen, als ein Mann mir auf die Schulter tippte und mich … Weiterlesen Der Pfauenmörder Heckenklesch

Sechs plus eins auf einen Streich

"Zeigen Sie mir Ihren Pass!", forderte der Prüfer den Prüfling auf. "Bitteschön!", erwiderte der Angesprochene und schob das Dokument über die Tischplatte. Der Prüfer schlug es auf. "Sie sind Ausländer, wie? Und Ihr Pass riecht nach Schwefel! Unerhört!" "Was ist unerhört?", fragte der Prüfling. "Dass ich Ausländer bin oder dass mein Ausweis diesen Geruch aussendet?" … Weiterlesen Sechs plus eins auf einen Streich

Marlies, Onkel Rudi, Tante Mimi und die Schnepfen

Marlies jagt den ganzen Tag Seifenblasen, bis sie platzen. Sonst tut sie fast nichts. Gelegentlich bohrt sie hingebungsvoll mit dem Finger in der Nase, aber das zählt nicht, sagt Marlies, weil das sowieso jeder macht. "Was soll nur aus dir werden, Kind?", sagt ihr Onkel Rudi, bei dem sie aufwächst. Onkel Rudi ist ein Bruder … Weiterlesen Marlies, Onkel Rudi, Tante Mimi und die Schnepfen

Eine Art Plädoyer

Ich habe das Kennzeichen nicht gesehen, Herr Rat, ich meine, nicht bloß die Buch­staben und Ziffern nicht, die vielleicht gar nicht existiert haben, nein, ich meine auch das Kennzeichen selbst, die nackte, womöglich unbestanzte Blechplatte, die vielleicht auch gar nicht da war, vorschriftswidrigerweise gar nicht angebracht an dem Fahrzeug, das mich wahrscheinlich touchiert hat, in … Weiterlesen Eine Art Plädoyer

Die Jagd nach dem Goldbarren von Simmering

Irgendwann stieß der alternde Filmstar Dougal Micklas im Rahmen einschlägi­ger Nachforschungen in der Reihe seiner Vorfahren zufällig auf einen Mann, der mehr als zweihundert Jahre zuvor in Österreich gelebt hatte und aus dem im Südosten Wiens gelegenen Bezirk Simmering stammte. Micklas, der mit dem auf diese Weise entdeckten Ort nichts verband, flog persönlich hin, aus … Weiterlesen Die Jagd nach dem Goldbarren von Simmering

Mit dem 145er

"Mir ist langweilig", denkt das Jagdgewehr, ein Remington Modell 700. "Mein Jä­ger hat sich mit meiner Hilfe leider selbst ins Knie geschossen und fällt noch für geraume Zeit aus, zumindest bis er das Gehen mit seiner Beinprothese wieder erlernt hat. Ich werde einfach ohne ihn auf die Jagd gehen, dann hab ich keine Langeweile mehr. … Weiterlesen Mit dem 145er

Der U-Bahnmörder Gilgamesh

"Der Mann dort vorne", rief Lord Labskaus aufgeregt, "ist der steckbrieflich ge­suchte U-Bahnmörder Gilgamesh! Ich bin mir absolut sicher!" Sie standen auf dem Bahnsteig und warteten auf den nächsten Zug der Linie U2. "Und wenn schon", winkte sein Begleiter, der Duke of Durian, müde ab. "Was geht uns kleine verarmte Landadelige ein U-Bahnmörder an?" Lord … Weiterlesen Der U-Bahnmörder Gilgamesh

Gasselsberger

Gasselsberger, der sich selbst für einen ganz smarten Hecht hielt, für das tollste Exemplar unter all den anderen tollen Hechten, rannte in mintgrünen Sportschu­hen, in schwarzer Trainingshose und im weißen Feinripp-Unterhemd im Nach­kriegs­style durch den Wald. Während er lief, dachte er nach, weil er ohnehin un­ent­wegt nachdachte, über neue Marketingstrategien, die das Produkt pushen soll­ten, … Weiterlesen Gasselsberger