Das Moorbier

1973 reiste ein junger Mann aus Anthering bei Salzburg nach England, genauer gesagt nach Canterbury. Es war seine erste Auslandsreise und seine Englischkenntnisse waren noch etwas verbesserungswürdig. Er beobachtete Füchse, die sich auf den vielen Grünflächen frei bewegten. Die Häuser im englischen Stil fand er weniger interessant, die kleinen Gassen mit den vielen Pubs dagegen weckten seine Neugierde. So verbrachte er viele Nächte in diesen englischen Kneipen und trank meist ein Bier namens „Moorbier“. Mit den Engländern unterhielt er sich ein wenig, aber sie schienen dieses Bier zu lieben, da sie meist nur diese Sorte bestellten. Zuhause angekommen erzählte er von der weiten Welt und dem dort getrunkenen „Moorbier“, das fast täglich seinen Geschmack zu verändern schien. Im Freundeskreis sprach sich diese Geschichte schnell herum, selbst nach Bürmoos kam über Umwege diese Geschichte. Ein Unternehmer in Bürmoos wollte schon von der Ziegelei auf eine Brauerei umsatteln, Moorbier passte doch herrlich zur Gegend und die Zutaten würden wohl vorhanden sein. Früher wurde Bürmoos auch als Biermoos in den Landkarten bezeichnet und eine Umbenennung des Ortes nach dem hoffentlich durchschlagenden Erfolg würde das „Tüpfelchen auf dem i“ bedeuten. Die Ziegelei rentierte sich schon seit einiger Zeit nicht mehr, weshalb neue Ideen dringend von Nöten waren. Erste Tests mit dem Anreichern des Bieres mit Moorwirkstoffen waren nicht vielversprechend. Das Bier veränderte nicht nur den Geschmack zum Negativen, auch die Farbe erschien merkwürdig. Er wollte schon eine Reise nach England buchen, um dem Braurezept auf die Spur zu kommen, wäre da nicht sein Sohn gewesen. Ein Bier namens „Moorbier“, das seinen Geschmack verändern konnte, wäre doch schon lange gebraut. Sein Vater schaute den Besserwisser verärgert an, bis sein Sohn in aufklärte, dass damit wohl nur „one more beer“ gemeint sein könnte. Da dämmerte es auch dem Vater, wieder eine neue Idee, die im Sand verlaufen war oder wohl besser sich im Schaum der Bierkrone aufgelöst hatte.

In Anthering fehlte dieser Sohn und dessen Englischkenntnisse jedoch. So begann im gleichen Jahr ein Unternehmer mit den Brauen des Bieres und konnte tatsächlich nach einem Dreivierteljahr ein Moorbier auf den Markt bringen. Dieses schmeckte trotz der Moorwirkstoffe der Bevölkerung und die Wirkstoffe würden dann auch noch die Gesundheit und das Wohlbefinden fördern, so die einhellige Meinung. Selbst heute noch gibt es dieses Bier, das immer zu Vollmond gebraut wird. Der Export des Bieres nach England ging im Übrigen gründlich schief, da der Name zu völliger Verwirrung bei den Bestellungen in den Pubs geführt hat.

Die Ziegelei in Bürmoos musste 1976 schließen, die Idee eines Nachfolgebetriebes konnte nicht umgesetzt werden. Manchmal können Englischkenntnisse auch wirklich hinderlich sein.

Harald, 04.05.2019

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