Eine schwedische Jagd

Es war eine dieser Wochen, die ich liebe: Ein Auftrag über fast eine Million Euro! Damit war das nächste halbe Jahr finanziell gesichert – und moralisch sowieso. Bereits am Freitagmittag überkam mich ein spontanes Bedürfnis nach Lebensfreude, also beschloss ich, mit ein paar Freunden die Wiener Innenstadt unsicher zu machen. Champagner wurde in größeren Mengen geordert – meine Laune stieg fast überproportional zum Alkoholpegel.

Irgendwann kam das Gespräch auf die Jagd. Fragt mich nicht, wie. Wahrscheinlich, weil mein Jagdinstinkt bereits am Nebentisch fündig geworden war: Eine Gruppe Damen, charmant, lebensfroh und ebenfalls champagneraffin. Ich lud sie kurzerhand an unseren Tisch ein, was meinen eher fragwürdigen Status als alten Playboy trotzdem eindrucksvoll unter Beweis stellte. Besonders eine blonde Dame hatte es mir angetan. Wir flirteten, lachten, prosteten – und plötzlich ging es wieder um diese ominöse Jagd.

Ich dachte, die Rede wäre immer noch von meiner erfolgreichen Jagd am Nachbartisch. Aber nein. Nach ein paar Minuten realisierte ich erst, dass meine Freunde über irgendeine Elchjagd in Schweden sprachen. Ich, der gerade dabei war, eine waschechte Schwedin zu erlegen, fand das Thema so trotzdem irgendwie passend.

Genervt vom Gerede rief ich: „Dann schieß ich euch halt so einen blöden Elch!“
„Pfff, das ist schwerer, als du denkst!“, meinte einer.
„Ich schieße einen Elch, ich schieße einen Elch!“, grölte ich in Champagnerlaune und tanzte dazu fröhlich. Zwei Flaschen später war der Plan geboren: Wir fahren nach Schweden. Jetzt. Sofort. Mit meiner blonden Eroberung im Schlepptau und einem Kofferraum voller Euphorie machten wir uns also mitten in der Nacht auf den Weg gen Norden. Details der Fahrt? Dunkel! Ich erinnere mich nur, dass wir irgendwann gegen Abend irgendwo in Schweden ankamen – dort, wo sich ein Elch vermuten ließ.

Einer meiner Freunde drückte mir eine Büchse in die Hand und meinte mit ernster Miene: „Wenn du einen Elch siehst – einfach abdrücken.“
Klang einfach. Ein Elch ist ja kein scheues Wiesel. Ich nickte – und schlief prompt ein.

Meine schwedische Muse rüttelte mich später unsanft wach: „Da! Da!“
Und tatsächlich: Ein kapitaler Elch! Ich zielte, drückte ab. Nichts. Noch dreimal. Der Elch fiel – in meiner Erinnerung mit dramatischer Zeitlupe und heldenhaftem Röhren. Ich war zufrieden. Ich war der Elchflüsterer, nein, noch besser: Ich war der König von Schweden.

Zurück in Wien wachte ich am Sonntagnachmittag an der Alten Donau auf. Nicht im Auto. Nicht im Hotel. Einfach so. Meine Begleitung war augenscheinlich verschwunden. Stattdessen stand vor mir… ein Stoffelch. Groß. Plüschig. Bei näherer Betrachtung fielen mir drei Einschusslöcher auf.

Ein Freund gesellte sich zu mir, klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Beste Party seit langem, Alter! Jetzt noch ein Glaserl im Schinakl?“
Ich brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass ich wohl keinen Elch, sondern einen kapitalen Bock geschossen hatte. Aber als ich meine blonde Begleitung wieder entdeckte, wie sie mir lachend zuwinkte, beschloss ich: Elch hin oder her – das Leben ist zu kurz für schlechte Laune.
„Schinakl klingt gut“, sagte ich und bestellte im Geiste schon die nächste Flasche Champagner.

Harald, 6. Juni 2025.

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