Wunderbar

Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten gibt es „Le Fou“ mitten in unserer kleinen Stadt. Eine herrliche After-Work-Bar, also après le travail-Bar, die ich regelmäßig frequentiere. Als verheirateter Mann sind das willkommene Auszeiten und „Le Fou“ ist auch für Dates wunderbar geeignet. Vermutlich war es meinem fortgeschrittenen Alter und meinem geschäftlichen Erfolg geschuldet, dass ich übermütig wurde und meine Frau dort das erste Mal zum Essen einlud. Ich reservierte einen kleinen Tisch am Mittwoch und war mir sicher, die Brioche würden ihr schmecken und am Mittwoch gab es zusätzlich auch noch Moules Frites.

Wir nahmen Platz und die Kellnerinnen waren wieder reizend. Meiner Frau gefiel ist überraschend gut und sie verstand auch, warum ich vom „Le Fou“ immer so schwärmte. Wir bestellten einen weiteren herrlichen Rotwein und näherten uns der Nachspeise. Ich war bis zu diesem Zeitpunkt sehr zufrieden, als ich plötzlich Miranda im Augenwinkel sah, sie schnurstracks auf mich zukam, ich noch mit den Händen abwehrend wachelte, sie meinen Kopf mit beiden Händen nahm, mir einen langen Zungenkuss gab und sich lächelnd wieder verabschiedete. Schweigen. Noch längeres Schweigen. Nicht gut, dass wusste ich.

„WER war das?!“, ring meine Frau nach Fassung. „Äh, mhmm, Äh…“, mir war klar, so wird das nichts mehr. Es war einfach zu spät, also Flucht nach vorn: „Das war meine Geliebte“, meinte ich trocken und ziemlich selbstbewusst. „Ich lasse mich scheiden“, die wenig überraschende Antwort meiner Frau. Ich nun mittlerweile wirklich gelassen: „Wirklich? Unsere beiden Villen, das Wochenendhaus am Starnberger See, die drei Wohnungen in Berlin, London und Tokio, den Aston Martin, den Porsche, den McLaren, den Schmuck, von dem vielen Geld ganz zu schweigen – das alles willst du aufgeben, nur weil ich eine Geliebte habe?“ Meine Frau, und ich wusste, sie hatte oft einen sehr pragmatischen Ansatz, schwieg mal aufs Erste. Wir nippten beide am Rotwein, der mir noch immer hervorragend schmeckte. Die Kellnerin beobachte die Szene aus dem Augenwinkel und gab mir zu verstehen, dass ich mich echt wacker geschlagen hatte.

Meine Frau unterbrach die Stille: „Du, das ist doch Dr. Mayer da hinten am Tisch. Die Frau bei ihm, das ist aber nicht seine Ehefrau, oder?“ Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Nein, das ist seine Geliebte“.

Meine wirklich wunderbare Frau dachte kurz nach und flüsterte mir dann ins Ohr: „Unsere ist viel hübscher!“

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