Marathon


Irene Hopfer lief locker los. Bis Kilometer 21 lief alles bestens. An den Wasserstationen hat sie ihren Bedarf an Flüssigkeiten immer wieder auffüllen können. Sie war auf dem Weg zu einer neuen persönlichen Bestzeit. Bei Kilometer 22 passierte es dann. Sie sah um sich: Lauter wassertrinkende, eher traurig wirkende laufende Menschen mit einem aufgesetzten gequälten Lächeln, links von ihr, rechts von ihr, hinten und vorne und sie spürte den harten Asphalt nun deutlich. Da erblickte sie unter den Zuschauern einen Mann jüngeren Alters mit einem Bier in seiner rechten Hand. Er schaute sehr zufrieden aus und schien sich eher über das Dargebotene zu amüsieren, nein zu wundern. Sie ging zu ihm und fragte, ob sie denn einen Schluck nehmen dürfte. Er bejahte und Irene nahm einen kräftigen Schluck. Danach lief sie weiter. Nach weiteren ähnlich verlaufenden Zwischenstopps war ihre Laune trotz des leicht tristen Umfeldes merklich besser. Ganz am Ende blieb es wohl nicht nur beim Bier. Die Siegerin kam nach zwei Stunden und 34 Minuten ins Ziel. Das gequälte Lächeln war bei vielen Läuferinnen verschwunden und ausdruckslosen völlig erschöpften Gesichtszügen gewichen. Nach vier Stunden und 56 Minuten kam nun auch Irene ins Ziel. Bestens aufgelegt, leicht torkelnd, glücklich und mit einer für sie wichtigen Erkenntnis: Marathon auf Gras macht einfach deutlich mehr Spaß.

Harald, 03. November 2018

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