Eine Bierografie

Irene Hopfer, engagierte Studentin der vergleichenden Abstinenzwissenschaften, stand einst vor dem berüchtigten siebten, dem sogenannten Biersemester. Schon im Hefeweizenkolloqium konnte sie nicht widerstehen und soff den Dozenten mühelos unter den Tisch. Durch das Stout- und Ale-Praktikum rasselte sie mit null Punkten, weil sie alle Proben auf ex austrank, anstatt sie zu analysieren. Das große obergärige Examen verlegte sie vom Prüfungssaal in die nahe Bahnhofskneipe, wo sie, ohne ein einziges Mal zu wanken, alle Vorräte an Obergärigem vernichtete. Die Mitglieder der Fachschaft waren alarmiert und berieten nüchtern über einen Ausschluss Irenes vom Studienbetrieb. Sie kam ihnen zuvor, indem sie das Studium schmiss, in ein tiefes Fass fiel und auch noch schwanger wurde. Es folgte das Gegenteil einer Durststrecke, an dessen Ende Irene Zwillingssöhnen das Leben schenkte. Der Vater, ein egomanischer Schankwirt, wollte von seinen Kindern nichts wissen und ließ Irene im Stich. Caritas und Gewerkschaft halfen ihr schließlich wieder auf die Beine. Ihr Leben blieb weiterhin vom Gerstensaft bestimmt. Die Söhne, Schlucki und Spechti gerufen, wurden in einer Kindertagesstätte der Caritas gehaltvoll betreut, während Irene das Wissensabfüllprogramm der Gewerkschaft durchlief. Heute ist sie eine kompetente Ansprechpartnerin in Frauenbierfragen und eine Verfechterin einer maßvollen Anhebung der Frauenbierquote.

Michael, 10. November 2018

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