Neujahr

Neujahr 1933. Es muss sich endlich etwas ändern. Das Bier ist zu schwach geworden. Wir brauchen neues starkes Bier. So wie früher, bevor wir den Biervertrag von Versailles unterschrieben mussten, der im Übrigen ein reiner Knebelvertrag ist. Dieser muss aufgehoben werden. Jahrelang mussten Hektoliter an Bier an entartete Brauereien abgeliefert werden, nur weil wir beim letzten großen Bierkrieg den letzten Platz belegten. Ich, Adolf Biertler, sage euch: „Das Bier war und ist deutsch. Das Bier verdanken wir dem deutschen Volke. Ohne das deutsche Volk würde es in den östlichen Gebieten keine einzige Flasche Bier geben. Heute nacht hat eine reguläre polnische Brauerei Bier nach Deutschland geliefert. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeliefert!“. Adolf Biertler sprühte weiter nur so von Ideen. Die weltweite Bierverschwörung wäre mit allen Mitteln zu bekämpfen. Er machte sich auf die Suche nach dem heiligen Bier, das dann 1.000 Jahre in unveränderter Rezeptur Bestand hätte. Er brüllte, er schrie und vernichtete das fremde Bier eigenhändig mit einigen seiner Getreuen. Auf der ganzen Welt sollte es nur mehr eine Art von Bier geben. Viele glaubten ihm und erst sehr spät wurde der Irrsinn ersichtlich. Dank ausländischer Brauereien konnte Adolf nach 12 Jahren schlussendlich gestoppt werden. Bevor er dingfest gemacht wurde, trank er drei Einheitsbiere, was er schlußendlich nicht überlebte. Die Biervielfalt konnte rasch wieder zulegen und heute blicken wir zurecht mit Stolz auf die vereinten Brauereien von Europa. Nie wieder ein Einheitsbier, nie wieder einfache Rezepturen, nie wieder Bierexporte ohne Schengen und vor allem nie wieder Bierkrieg. Was mit dem Bier gelang, sollte doch auch für uns Menschen möglich sein. Neujahr 2019.

Harald, 6. Jänner 2019

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