Der Wald- und Wiesenkomtur

Es war März und unabhängig vom Wetter fuhr Johann in Hallwang bei Salzburg mit seinem großen Hans-Hawedeere-Traktor und einem Riesen-Güllefass dreimal täglich auf seine Felder. Vor Jahren hatten ihn nahe stehende Personen auf einen gewissen Missstand zwischen Vieh und vorhandenen Feldern aufmerksam gemacht. Das interessierte Johann nur peripher und er setzte noch mehr auf Rindviecher. Da das nun schon den ganzen März so ging, hatten Nachbarn eine kleine Demo vor seinem Bauernhof veranstaltet. Johann nahm auch das gelassen und dachte gar nicht daran, diesen Umstand zu ändern. Da er aber nun zweimal bereits tagsüber mit spontanen Blockaden bedacht wurde, setzte er auf die Nacht. Während das aus seiner Sicht dümmliche Bürgertum schläft, brachte er fünf Ladungen auf seine kleinen Felder. Er fuhr jetzt bereits die siebte Nacht und war gerade beim Fertigwerden. Er war schon müde und die plötzlich auftauchenden Wellen auf der Wiese schob er seinen Augen zu. So wie Meereswellen am Strand bewegte sich die ganze Wiese und Johann fuhr einfach weiter, wohl die nächste Gemeinheit der Nachbarschaft. Als eine hohe Welle von fast fünf Metern sich auf ihn zubewegte, ging er doch vom Gas. Vor ihm formte sich ein Gesicht und sprach: „Ich bin der Wald- und Wiesenkomtur und das hier, Johann, geht zu weit. Ich fordere dich auf, dein Leben zu ändern und nicht mehr so viel zu düngen.“ Johann antwortete lachend: „Du hast dich wohl verirrt, wir sind hier nicht in einer öden Mozartoper.“. Der Wald- und Wiesenkomtur, nun noch mehr aus dem Boden herausragend, wiederholte sein Anliegen bestimmt: „Kehre um, Johann, oder du stirbst. Hörst du auf zu überdüngen?“. Johann war nun sehr aufgebracht und schrie: „Nein, bist du denn schwerhörig!?“. Der Wald- und Wiesenkomtur gab Johann die letzte Chance: „Johann du stirbst. Entweder du überdüngst die Felder nicht mehr oder du stirbst jetzt auf der Stelle!“. Johann dachte gar nicht daran, sein Leben zu ändern und brüllte: „Wenn ich nicht mehr überdüngen darf, will ich nicht mehr leben. Basta!“. Als er dies sagte, gab vor seinem Traktor die Erde nach und der Traktor rutschte tief in die Erde. Über ihm füllte sich das Loch schnell wieder mit Erde und nach wenigen Minuten war das Feld wie zuvor. Von Johann fehlte seit diesem Tag jede Spur. Auch der Traktor und das Güllefass blieben verschwunden. Aber alle sieben Jahre kann auf dem besagten Feld in Hallwang genau am Tag des Verschwindens um Mitternacht Johann mit seinem Traktor und seinem Güllefass beobachtet werden. Eine Erlösung ist möglich. Es müsste eine Biobäuerin auf dem Feld genau zu diesem Zeitpunkt sich vor seinem Traktor stellen und folgenden Spruch verwenden: „Du bist nun erlöst bitte sehr, wenn du nicht überdüngst den Boden mehr.“. Bisher ist das noch nicht gelungen.

Harald, 20. März 2020

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