Wer nicht hören will, …

Es war nichts zu hören und der Grund dafür unbekannt. Klaus konnte es nicht fassen. An Weihnachten nichts zu hören. Das Fest der Liebe, der Familienfeste, des Zusammenkommens, der Gewalttätigkeiten, des Wahnsinns, des Bürgertums, nichts zu hören. Klaus rannte die Stufen hinunter. Nichts, nichts. Ein Spendenmarathon, weil die Parteien dem Totalversagen unterliegen, die Peinlichkeit nicht zu überbieten, ein übles Spiel, aber Klaus hört nichts. Betende Konservative, Selbstbeweihräucherung, jedes Jahr das gleiche Essen, das Ausschließen, das Kennzeichnen, das Herabwürdigen, dieses dumpf-hohle „Uns geht es doch gut“. Klaus hört nichts. Konstruierte Nationalstaaten, das Sesshaftwerden, Grenzen, Kriege, Totalüberwachung, Zwang, diese dämlich-falsche Solidarität, aber jetzt ist doch Weihnachten, der Christbaum leuchtet so schön. Klaus hört nur nichts. Einer will wieder Kaiser werden, verliert dabei jegliche Lebenskunst, hatte sie vielleicht nie, kein Sinn für das Schöne, für die Freude, für die Feier, für das Ritual, keine Erotik, keine Kaiserin für ihn. Koksen, Alkoholprobleme, regieren, Klaus kann sie nicht hören. Er macht sich Gedanken, Weihnachten, ein Kind wurde geboren, das Wunder, unbegrenzte Möglichkeiten. Klaus hört plötzlich ganz leise Töne. An den Rand gehen, Prostituierte, Obdachlose, Süchtige, echte Menschen, ein Stück mit ihnen gehen, in Beziehung treten. Sein Gehör wird noch besser. Das Jahr neigt sich dem Ende zu, feiern, laut sein, Feuerwerk, sich in die Arme fallen, schmusen, nicht schützen, nicht testen, alles geben, sich endlich anstecken lassen. Klaus nimmt wieder alles wie zuvor war, er hört. Wir reden wieder miteinander, wir versuchen Positionen zu verstehen, wir lassen Pluralität zu, wir verurteilen nicht, wir stellen die Freiheit über alles und Klaus wird hören, hören wie nie zuvor.

Harald, 25. Dezember 2020

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