Tut

Lena war mit ihrer Dissertation über „Fortpflanzung von Schnecken in botanischen Gärten in Wien unter Berücksichtigung der Niederschlagsmenge und der politischen Verhältnisse zwischen 1920 und 1925“ fast fertig. Tom hatte sie vor zwei Monaten kennengelernt, relativ junger Professor, unter vierzig, Lockenkopf, etwas wirr, genau richtig für sie. Lena wollte eigentlich bis zum Abschluss des Doktoratsstudiums alleine bleiben, aber die Untersuchung der Fortpflanzung von Schnecken im empirischen Teil empfand sie so anregend, dass sie mit Tom eine Ausnahme machte. Tom wohnte im angrenzenden Niederösterreich, nur eine Stunde von Wien entfernt. Sie stieg am Anfang des Wochenendes in ihren kleinen Seat und fuhr los. Tom hatte ein hübsches Haus mit Garten und ihre Liaison konnte so noch etwas geheim bleiben, da sich sonst wieder zu viele das Maul über den Klassiker Professor – Studentin zerreißen würden. Die Musik kam von Dua Lipa, „let’s geht physical“, genau das hatte sie mit Tom vor. Um die Vorfreude etwas zu steigern, sendete sie ihm eine anzügliche Textnachricht. Er antwortete sofort, sie spürte schon dieses Kribbeln, schrieb wieder, drehte noch lauter auf: „All night, I’ll riot with you.“ Sieben Kilometer bis sie bei ihm sein, ihn küssen, ihn lieben wird,140 km/h, Linkskurve, eine Whatsapp noch: „I love y…“ Doppelter Überschlag, über die Leitschiene, hart gebremst durch einen Baum. Intensivstation. Tut. Tut. Tuuuuuuuu….

Begraben im botanischen Garten macht sich eine junge Schnecke an den frisch eingesetzten Grabpflanzen zu schaffen. Als sie gerade von einer älteren Schnecke beobachtetet wird, ruft sie begeistert: „Jetzt habe ich mein Thema für meine Masterthesis!“ Sie brauchte drei Monate, um die Arbeit mit dem Titel „Fortpflanzung von Menschen in niederösterreichischen Landhäusern unter Berücksichtigung von Mobiltelefonen und der bürgerlichen Verhältnisse zwischen 2015 und 2021“ erfolgreich abzuschließen.

Harald, 16. April 2021

4 Kommentare zu „Tut

    1. Hallo, danke für deinen Kommentar. Nein, Gottseidank nicht, bis auf die masterthesis-verfassende Schnecke hat nichts so stattgefunden. Hoffe bald wieder auf viele sinnlose Reisen samt Berichten und das auch noch ganz ohne grünen Pass… Ich weiß, eine hohe Erwartung. Liebe Grüße

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