Unterm Apfelbaum

Unterm Apfelbaum. Unterm Apfelbaum gebe ich alles her für dich. Lieben uns, vergessen alles, unterm Apfelbaum. Erzählen von der Welt, von unserer Welt. Obsession, die um sich greift, kein Entrinnen, aber auch kein Wollen. Lebenslust, die nur wir beide kennen, kein anderer auch nur eine Ahnung davon hat. Amour fou für uns, keine Angst, Krankheit im besten Sinne, pralles Leben, Leben, das sich gibt, Leben von dem gesprochen werden wird. Unterm Apfelbaum ist die Arbeit fern, für Lebensverwalter unvorstellbar, da augenscheinlich sinnentleert. Die Faulenzer unter dem Apfelbaum, lebensuntüchtig, Dummköpfe, denen sollte es doch gezeigt werden, was richtig arbeiten heißt, meinen sie. Uns beiden ist es egal, wir leben ihnen vor, was lieben heißt, Liebeskunst, von denen sie nie etwas verstehen werden, ja nicht einmal verstehen wollen. Eure Freiheit wollen wir nicht, unsere Freiheit ist ein fragiles Abenteuer, ein ständiges Werden und Vergehen. „Stirb und lebe“ scheint jemand unentwegt zu rufen. Unterm Apfelbaum verliere ich mich, deine blauen Augen ziehen mich in eine andere Welt, eine Welt voller Überraschungen, Träume, Unplanbarkeiten, Eskapaden, das Land der Liebenden. Ihr wollt dieses Land vielleicht betreten, seid euch aber nicht bewusst, dass alles einen Preis hat. Dort wird nicht nur geliebt, nein, es wird auch gemordet. Aber trotzdem habt ihr nichts zu befürchten: Gemordet wird nur aus Liebe. Jeder Traum endet, du bist Erinnerung, ich schließe die Augen, denke an ein Frühjahr, ein Frühjahr für die Ewigkeit. Ihr wart arbeiten, ich habe geträumt, ich habe geliebt, ihr habt Häuser gebaut, euch haben alle vergessen, mich kennt ihr noch heute und das nur, weil mir, Isaac, ein Apfel im Jahr 1665 auf den Kopf gefallen ist, was euch, die ihr mit einem Brett geschützt seid, nie hätte passieren können. Unterm Apfelbaum.

Harald, 07. Mai 2021.

4 Kommentare zu „Unterm Apfelbaum

  1. Da sieht man mal, wozu Träumen gut sein kann. Ich vermute aber, Sir Newton hat nicht nur geträumt, sondern auch weltbewegende Erkenntnisse erarbeitet. Zu seiner Zeit war der Gedanke, dass der Apfel einem Naturgesetz folgt, sehr nahe an Ketzerei. Sein Kollege Galileo musste nur 30 Jahre vorher seine Erkenntnisse widerrufen (oder wahlweise den Scheiterhaufen von innen betrachten)

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    1. Vielen Dank für deinen spannenden Kommentar. Träumen alleine reicht wohl tatsächlich nicht. Ich habe nur das Gefühl, dass zurzeit aber zu wenig geträumt wird und wir eher unser Leben verwalten. Heute droht bei anderer Meinung zwar nur ein virtueller, anonymer Scheiterhaufen, der aber auch weitreichende Folgen haben kann. Hoffen wir, dass wir in Kürze wieder reisen dürfen, ohne grünen Pass, einfach so und ggf. auch sinnlos, was aber erst wiederum recht Sinn ergibt. Viele Grüße!

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