Saus und Braus

Im Hochköniggebiet erbte ein junger Bauer namens Bertold den elterlichen Hof und hatte große Pläne. Statt einer kleinen Milchwirtschaft mit einer im Sommer bewirtschafteten Alm wurde ein Architekt damit beauftragt, das modernste Skiressort weit und breit zu entwerfen. Allen, denen er den Entwurf gezeigt hatte, waren begeistert. Die Banken überwarfen ihn mit Kreditangeboten und Bertold konnte schon bald den Spatenstich vornehmen. Kaum war das Bauwerk fertig, kamen nationale sowie internationale Gäste und es wurden lange Wartelisten führen, um den Überblick zu behalten. Aus der Gaststube war der Blick frei zu den Milchkühen und das brachte ihn nach einem neuerlichen monatlichen Umsatzrekord auf die Idee, den Kühen Champagner statt Wasser zu kredenzen, da deren Milch aus seiner Sicht deutlich zu fad schmecken würde. Er orderte nicht wenig von dem edlen Gesöff und musste seitdem täglich beliefert werden, um den Trinkbedarf der Kühe gerecht zu werden. Die Milch schmeckte tatsächlich interessanter, auch die kleinen Gäste waren aus seiner Sicht endlich besser drauf und starrten nicht mehr nur auf kleine Bildschirme. Die Kleinen tanzten stattdessen nach dem Frühstück und Bertold war sichtlich stolz auf das Ergebnis. Das Ganze wäre auch noch eine zeitlang weitergegangen, hätte nicht ein besorgter Vater mit seinem Sohn nach dem Frühstück einen Arzt aufgesucht. Der Arzt begutachtete den Sohn und bemerkte sehr schnell, dass seine fehlende Koordination auf  eine deutliche Alkoholisierung zurückzuführen war. Der Test ergab dann beachtliche 1,2 Promille. Bertold bot sofort eine sechsstellige Summe, um das wahrlich kleine Problem aus der Welt zu schaffen. Der Gast lehnte wider Erwarten ab und machte den Vorfall auch noch öffentlich. Ab diesem Tag ging es bergab. „Junger Promiwirt flippt völlig aus!“, „Promiwirt vor dem Konkurs?“, „Millionen-Grab am Hochkönig!“ und „Gäste bleiben zurecht nun aus!“, waren nur einige der Schlagzeilen. Die Kühe hatte er zwar sofort wieder auf Wasser umgestellt, aber das half jetzt alles nichts mehr. Mit den restlichen Kartons saß er alleine in der Gaststube und öffnete mittlerweile die dritte Champagnerflasche, als ein älterer Herr in einem schwarzen Lodenmantel eintrat.  Er fragte, ob er etwas zu Essen haben könnte und auch dem Champagner wäre er nicht abgeneigt.  Bertold jagte ihn ungehalten aus der Stube und kaum schlug er die Tür ihm vor der Nase zu, hörte er ein Grollen, das auf ein starkes Gewitter hindeutete. Das war ihm jetzt aber auch schon egal und er trank munter weiter. Nächsten Tag läutete das Telefon und sein Bankberater wollte ihn unbedingt sprechen. Normalerweise hätte er ihm einen Termin in einigen Monaten vorgeschlagen, jetzt aber musste er wohl oder übel zur Kenntnis nehmen, dass sich das Blatt gewendet hatte. Gleich zu Beginn des Banktermins wurde ihm zur Kenntnis gebracht, dass bereits heute der Konkursantrag eingebracht würde, wenn er nicht augenblicklich dem Verkauf zustimmen und so den offenen Kredit begleichen würde. Der Kaufpreis war großzügiger Weise so bemessen, dass sich sogar noch ein Busticket zurück in die Stadt ausging. Bertold hatte keine Wahl und zumindest im Bus empfand er es als Glück, noch einen Sitzplatz ergattert zu haben. Im Inneren der Bank öffnete der Bankberater den Champagner, schenkte zwei Gläser ein und aus dem Nebenraum trat der Käufer im schwarzen Lodenmantel, der ganz trocken bemerkte, dass er tags zuvor statt dem Busticket zusätzlich noch 4,2 Millionen Euro geboten hätte. 

Harald, 14. April 2023.

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