John, der Barkeeper, der mein Freund ist, schenkt mir eines Tages spontan seine Bar.
„Nimm du sie, Bill“, sagt er. „Ich hatte sie lang genug.“
„Das ist nett von dir, John“, sage ich, „dass du an mich denkst, wenn du deine Bar verschenkst. Ich bin jedoch, glaub mir, nicht der richtige, um eine Bar zu besitzen.“
„Schenk sie doch einfach weiter“, schlägt John vor.
„Wem soll ich sie bloß schenken?“
„Du könntest sie Paul schenken“, sagt John. „Er hatte zwar nie Zeit für eine Ehefrau, vielleicht hat er aber jetzt Zeit für eine Bar.“
„Warum“, frage ich, „hast du deine Bar dann nicht gleich Paul geschenkt und dir den Umweg über mich erspart?“
„Ich wusste ja nicht“, sagt John, „dass du sie nicht willst, Bill. Du wärst mir als neuer Eigentümer am liebsten gewesen.“
„Und Davy?“, frage ich. „Was hältst du von Davy?“
„Ich mag Davy“, sagt John, „als Besitzer meiner Bar sehe ich ihn nicht.“
„Es ist gar nicht so leicht“, sage ich, „den richtigen Besitzer für eine Bar zu finden.“
„Davy ist ja mit seinem Job bei der Marine voll ausgelastet, wie er sagt. Andererseits habe ich auch schon Stimmen gehört, die behauptet haben, dass bei der Marine über weite Strecken Däumchen gedreht wird. Wenn das stimmt, könnte Davy die Bar als Nebenerwerb leiten.“
„Du hast recht“, bestätigt John, „aber wie finden wir es heraus?“
„Wir fragen Captain Jack“, schlage ich vor. „Er weiß es sicher, weil er alles weiß.“
„Ich weiß nicht so recht“, zögert John. „Du selbst bist dir zu 100 Prozent sicher, dass du die Bar nicht behalten willst?“
„Wenn du jeden Abend statt meiner auftrittst und singst, will ich es mir überlegen“, sage ich.
John holt tief Luft.
„Ich mach’s“, sagt er schließlich und ballt seine Hand entschlossen zur Faust. „Du behältst die Bar und ich werde statt deiner singen. Aber nicht unter meinem wirklichen Nachnamen.“
„Wie heißt du denn mit Nachnamen, John?“, frage ich.
„Deutschendorf“, murmelt John.
„Du hast recht“, sage ich. „Als John Deutschendorf kannst du nicht singen. Niemand würde dich ernst nehmen. Wo bist du geboren?“
„In Denver“, sagt John.
„Wunderbar!“, rufe ich. „John Denver, das geht.“
Michael, 9. Oktober 2026