Norbert gründete vor fünf Jahren mit Martin eine kleine Privatbar, die anfangs nur für Freunde gedacht war. Der Bekanntheitsgrad stieg und mittlerweile war jedes Wochenende die Hölle los. Von einer Gastgewerbekonzession waren beide meilenweit entfernt und verspürten auch keineswegs den Drang danach. Ansonsten lies die Bar keine Wünsche offen.
Die Einrichtung ließ sich sehen, die Cocktail-Möglichkeiten schier unbegrenzt sowie im Kühlschrank lagerten Biermarken aus aller Welt. Viele Gastronomen wären vor Neid wohl erblasst.
Nur eines trübte die ausgelassene Stimmung: Die Polizei.
Seit einiger Zeit schaute beinahe jedes Wochenende eine Streife vorbei. Die Beamten interessierten sich nicht nur für die fehlende Konzession, sondern führten mit bemerkenswerter Gründlichkeit auch Personenkontrollen durch. Für Norbert und Martin gehörte der Polizeibesuch mittlerweile fast schon zum Unterhaltungsprogramm.
An diesem Abend sollte es allerdings etwas anders kommen.
„Wer hat denn die Stripper bestellt?“, rief Beatrice begeistert, als zwei uniformierte Beamte die Bar betraten.
Das Polizistenpaar fand die Begrüßung weniger amüsant. Besonders die rothaarige Polizistin schien entschlossen, der guten Stimmung ein rasches Ende zu bereiten.
„Sie hat schon ein bisschen zu viel getrunken“, erklärte Martin entschuldigend. Die Polizistin musterte ihn mit einem Blick, der keinen Widerspruch duldete und er stellte sein Bierglas unaufgefordert ab. Martin, selbst nicht mehr ganz nüchtern, wurde zunehmend nervös.
„Ihren Ausweis, bitte!“
Martin zückte sein Handy und präsentierte stolz einen QR-Code. Dazu nippte er kurz an seinem Whiskey – Macallan rare, wohl älter.
„Kein Empfang“, stellte die Polizistin trocken fest.
„Meinen Führerschein habe ich leider nicht dabei. Ich fahre heute ja auch nicht mehr“, erklärte Martin und bemühte sich um einen möglichst seriösen Gesichtsausdruck, was aber nur mäßig gelang.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte die Polizistin.
„Ja, was machen wir jetzt?“, wiederholte Martin mit seinem charmantesten Lächeln.
Bis hierher hätte sich die Angelegenheit vielleicht noch friedlich lösen lassen.
Doch Martin verwechselte offenbar die behördliche Amtshandlung mit einem vielversprechenden Flirt. Zunächst legte er der Polizistin ungefragt die Hand aufs Gesäß. Als er anschließend auch noch versuchte, sie gegen ihren Willen zu küssen, war die Geduld der Beamtin endgültig erschöpft.
Die folgende Nacht verbrachte Martin nicht in seiner geliebten Bar, sondern in Polizeigewahrsam. Später folgte eine empfindliche Geldstrafe.
Immerhin hatte die Angelegenheit einen nachhaltigen Lerneffekt: Martin mied fortan rothaarige Frauen, insbesondere solche in Uniform. Und seinen Ausweis zeigte er Polizistinnen seither meist schon, bevor diese überhaupt danach fragen konnten.
Harald, 23. Oktober 2026.