Letzter Ritus

Als es mit dem alten Lois zu Ende ging, der nichts ausgelassen und zeit seines Lebens gesoffen, gefressen, gehurt, gequalmt, gekifft und gezockt hatte, verlangte er nach geistlichem Beistand. "Du hast Pech", sagte ich an seinem mutmaßlichen Sterbebett. "Unser Pfarrer ist gerade nicht da." "Einmal, wenn man ihn braucht!", zeterte Lois. "Wo steckt der Lump?" … Weiterlesen Letzter Ritus

Der Geist von Ingeborg

Wenn ich mein Grundstück verlasse, mich nach rechts wende und dem Verlauf unserer Gasse bis zu deren Ende folge, dort die etwas breitere Hauptzufahrtsstra­ße quere und auf der anderen Seite einen unscheinbaren, durch zahlreiche Bege­hungen ausgetretenen kleinen Pfad in das Wäldchen dort einschlage, gelange ich rechter Hand schon nach wenigen Schritten an eine Stelle, von … Weiterlesen Der Geist von Ingeborg

In dubio pro Wumms

Heidelberger prügelte sich mit Himberger. Erdberger ging dazwischen. "Seid ihr von Sinnen, ihr durchgeknallten Beerenobstler! Dies hier ist eine Universität und keine Biodiversität!" Himberger begann Erdberger zu vermöbeln. Heidelberger schlug auf beide ein, mehr jedoch weiterhin auf Himberger als auf Erdberger. Erdberger rief Bromberger zu Hilfe, der ebenfalls Spaß daran hatte, andere tüch­tig zu verhauen. … Weiterlesen In dubio pro Wumms

Missing Link

Overbeck stieg in Salzburg am Hanuschplatz in eine Straßenbahn, ließ sich von dem Schienenfahrzeug über die Staatsbrücke befördern und erinnerte sich erst am Markartplatz daran, dass es in Salzburg gar keine Straßenbahnen mehr gab, was natürlich eine fatale und unbequeme Folge zeitigte, nämlich die, dass Over­beck plötzlich auf der Fahrbahn saß, nachdem seine Straßenbahngarnitur sich … Weiterlesen Missing Link

Gastbeitrag: Wie es kam, dass Herr Emm einen blasphemischen Gedanken hatte

Zu einer Zeit als es bis zum Längerwerden der Tage noch einen guten Monat hin war, wurde Herr Emm in stockfinstrer Nacht plötzlich wach und einem inneren Drang folgend suchte er ein gewisses Örtchen auf. Wieder zurück im warmen Bett fand Herr Emm keinen Schlaf. Plötzlich sah er eine verschwommene Gestalt am Fußende seines Bettes.„Wer … Weiterlesen Gastbeitrag: Wie es kam, dass Herr Emm einen blasphemischen Gedanken hatte

Letztgültige Erkenntnisse

"Ob der Geist die Materie braucht, um existieren zu können?", fragte der Philo­soph Heuygens den Physiker Zosch, der die Achseln zuckte. "Braucht die Physik die Überwachung durch den Geist, um korrekt zu funktionieren? Oder leistet sie sich ab und zu Ausrut­scher, wenn ihr keiner zusieht?" "Auch auf diese Frage weiß ich keine Antwort", seufzte Heuygens. … Weiterlesen Letztgültige Erkenntnisse

Eine spukhafte Karriere

Beim Durchstich des Semmering-Basistunnels erhob sich, nachdem die Tunnelvortriebsmaschinen abgestellt worden waren, ein schauerliches Geräusch, das von einem feinstofflichen Gebilde auszugehen schien und das markerschütternd durch die beiden gerade vereinten Röhren schallte. Der Baustellenleiter, ein vierschrötiger, couragierter Mann, den nichts so leicht aus der Ruhe brachte, trat zu dem Geistwesen hin, das im Licht der … Weiterlesen Eine spukhafte Karriere

Wer ist hier der Geisterfahrer?

Der Automechaniker Hermann Schreyvogel wurde von der rechtsradikalen Par­tei, der er seit ihrer Gründung angehörte und die mit einer um einen Tick weni­ger rechtsradikalen Partei eine Koalition einging und die Regierung bildete, mit dem Posten des Verkehrsministers belohnt. Schreyvogel wähnte sich im siebten Himmel. Kaum im Amt untersagte er per Erlass sofort alle Elektrofahrzeuge und … Weiterlesen Wer ist hier der Geisterfahrer?

Mutter-Sohn-Dialog, ziemlich geistreich

"Zu Weihnachten wünsche ich mir einen Heiligen Geist", sagte der kleine Karl-Heinz zu seiner Mutter. "Was für ein extrem dämlicher Wunsch", erwiderte die Mutter. "Jeder weiß doch, dass der Heilige Geist zu Pfingsten kommt. Und zu Pfingsten kann man sich gar nichts wünschen! Aber besonders helle warst du ja noch nie!" "Und wessen Kind bin … Weiterlesen Mutter-Sohn-Dialog, ziemlich geistreich

In der Grotte aus der Tausendundzweiten Nacht

Immer wenn ich Langeweile spüre, treibe ich mich in Möbelhäusern herum und schlage dort die Zeit tot. Drei einschlägige Unternehmen gibt es in unserer Stadt. "Möbel Dünnstuhler", das "Matratzenschnäppchen" und die "Grotte aus der Tausendundzweiten Nacht", in der hauptsächlich orientalischstämmige Mitbürger einkaufen und in der ich persönlich noch nie war. Sehr häufig gehe ich ins … Weiterlesen In der Grotte aus der Tausendundzweiten Nacht

Parasole

Einmal, als ich finanziell gerade weit mehr zu rudern hatte als gewöhnlich, reiste ich zur Erholung in ein wenig attraktives Alpennebental, in dem es außer endlosen Geröllhalden und vom Borkenkäfer heimgesuchten Wäldern nicht viel zu sehen gab. Weil ich wirklich sparen musste, mietete ich mich am Fuß der Satanszacke in einer heruntergekommenen Frühstückspension in einer … Weiterlesen Parasole

Silver Shadow

Eine Zeitlang stellte ich mich gern auf Autobahnbrücken und warf Socken auf die Fahrbahn. Wenn Autofahrer dann abrupt abbremsten, sich auf den Pannenstreifen einordneten und anhielten, um sich zu vergewissern, was sie gerade überfahren hatten, trat ich auf den Plan, rannte hinunter und bezichtigte die Fahrzeuglenker des Sockenmordes. In den meisten Fällen lief es dann … Weiterlesen Silver Shadow

Auf einen Geist nach Amerika

Einmal, als ich gerade in Salzburg im Bus saß und durchs Klausentor fuhr, fühlte ich mich plötzlich einsam und wünschte mir Gesellschaft. Da ich mit den Mens­chen selten gut auskam und sie im Gegenzug jedesmal auch meiner binnen kur­zer Zeit überdrüssig wurden, wünschte ich mir einen Geist. "Sie sehen gar nicht gut aus, mein Junge", … Weiterlesen Auf einen Geist nach Amerika