Die Jagd der Königin

Einst wurde ich aufs Anwesen der Königin nach Sandringham gerufen, weil im Schlossgarten der Buchsbaumzünsler so sehr wütete, dass Eile geboten war, oder wie Roderick, der Beauftragte der Queen es ausdrückte, dass ich mein Gesäß un­verzüglich lüften, die große Giftspritze einpacken und mich sputen sollte. Ich ge­horchte, wuchtete ein halbes Dutzend Kanister mit Thiacoprid auf … Weiterlesen Die Jagd der Königin

Ein Jäger aus Kurpfalz

Als einmal mein Nervenkostüm bedrohlich zu flattern begann, konsultierte ich einen Psychotherapeuten, der mir zu einem mehrwöchigen Aufenthalt in einem Baumhaus riet. Ich folgte seinem Rat und mietete mir in der Nähe von Ampfl­wang in einem abgeschiedenen Wäldchen eine entsprechende hölzerne Behau­sung. Am Anfang ging alles gut. Mein Nervenkostüm begann sich zu stabilisieren. Ich lauschte … Weiterlesen Ein Jäger aus Kurpfalz

Jagdvariante III

Ein drittes Mal bin ich in der Wiedehopfinger Au unterwegs. Diesmal folge ich dem Verlauf des Gimpelbaches, der unregelmäßig mäandernd viel Abwechslung bietet. Zu meinem Erstaunen treffe ich auch hier an einem Hochstand wieder auf den Jäger, der von oben kommend auf der letzten Leitersprosse seinen Feldste­cher ins üppig wuchernde Springkraut an der Uferböschung wirft. … Weiterlesen Jagdvariante III

Jagdvariante II

Wieder durchstreife ich die Wiedehopfinger Au und passiere an ihrem Rand einen anderen Hochstand als ein paar Wochen zuvor. Abermals klettert der mir bereits bekannte Jäger gerade herunter. Diesmal hängt zu meinem Erstaunen über seiner Schulter ein Gewehr. "Waidmanns Heil!", grüße ich salopp, obwohl mir derlei nicht zusteht. "Diesmal bewaffnet unterwegs?" Das Wild sei schlau … Weiterlesen Jagdvariante II

Schnitzeljagd

"Finden Sie es nicht auch langweilig", fragte ein vorlauter Student den Professor Korner, der schon seit Jahrzehnten an der Jagduniversität von Halalingen Pirsch- und Schusskunde unterrichtete und als absolute Kapazität galt, "immer nur aufs ganze Wild zu gehen und niemals gezielt bestimmte Teilaspekte aufzu­greifen?" "Sie reden Unsinn, Herr Kollege", blaffte der Professor Korner zurück, "und … Weiterlesen Schnitzeljagd

Rondo

Schachtelhalmer, dem das Wild grundsätzlich nicht geheuer war, überwand seine Scheu und pirschte sich im März auf einer Lichtung so nah an ein dort äsendes Rudel Rehe heran, dass er die Tiere mit seinen ausgestreckten Armen schon fast berühren hätte können. Im Augenblick seines Triumphes erstarrte er gewisser­maßen zur Salzsäule, hatte allerdings zuvor noch daran … Weiterlesen Rondo

Jagdvariante

Als ich die Wiedehopfinger Au durchstreife, beobachte ich, wie von einem Hoch­stand an einer Lichtung ein jagdlich gekleideter Mann heruntersteigt. Ich grüße ihn höflich. Er erwidert meinen Gruß, schiebt mich aber sofort energisch zur Sei­te und erklärt mir, dass er es eilig habe. Die Jagd beginne nämlich gleich. Am Wegrand hebt er einen Vorschlaghammer auf … Weiterlesen Jagdvariante

Tütensuppen

Nach langen, ermüdenden Jahren in der Zivilisation habe ich mich auf der Suche nach Ruhe in die Einsamkeit der Natur zurückgezogen und eine bescheiden dotierte Stelle als Wildhüter auf Lebenszeit angenommen. Mein Revier liegt am nördlichen Ende der bewohnten Welt; dahinter tut sich in Richtung Norden nur noch unberührte Wildnis auf, die von kargem, kniehohem … Weiterlesen Tütensuppen

In a yellow submarine

Gebhard stieg in ein fremdes gelbes Tauchboot und schloss die Luke hinter sich. Es handelte sich um eine spontane Aktion. Gebhard, der mit der Steuerung des Wasserfahrzeugs in keiner Weise vertraut war, las die Bedienungsanleitung nicht. Auch wenn es sich um eine geplante Aktion gehandelt hätte, hätte Gebhard in An­wendung einer als typisch männlich betrachteten … Weiterlesen In a yellow submarine

Ein Schuss ins eigene Knie

Der eher unbedeutende Naturgeist Blasius, der für das Wohlergehen der Ringelblumen zuständig war, verspürte Langeweile. Mehrmals schon hatte er bei seiner übergeordneten Geisterbehörde um eine Ausweitung seines Aufgabenbereichs ersucht, war dabei jedoch immer auf taube Ohren gestoßen. Die Obergeister attestierten ihm mangelnde Gestaltungskraft und bloß schwaches Durchsetzungsvermögen. Auch die Ringelblumen schätzten die Wirkmächtigkeit ihres Geistes … Weiterlesen Ein Schuss ins eigene Knie

Was war das denn?

Was die Leute alles verlieren, unglaublich, neulich, ich arbeite im Fundbüro, hat einer angerufen, der hat gesagt, er habe seinen Geist verloren, ob denn einer ab­gegeben worden sei, er würde selbstverständlich Finderlohn bezahlen, es sei von höchster Wichtigkeit, dass er ihn wiederbekäme, seinen Geist, und überhaupt und sowieso, im Allgemeinen wie im Speziellen, und an … Weiterlesen Was war das denn?

Schallbrecher

Otto kaufte sich in einer sehr fragwürdigen Musikalienhandlung eine gebrauchte Trompete. Weil er sehr wenig Geld besaß - genaugenommen nicht mehr als elf kanadische Dollar - musste er sich mit einem sehr alten unansehnlichen Instru­ment bescheiden. "Ist die auch noch gut?", fragte er den Verkäufer und ließ eine gehörige Portion Skepsis mitschwingen. "Die elf Dollar … Weiterlesen Schallbrecher

Brot und Spiele

In einer meiner jüngsten Traumsequenzen tauchte Conchita Wurst auf, der wiederum ein Geist erschien, der ihr verkündete, dass sie ein Kind bekommen werde. Die Vorhersage bewahrheitete sich und Conchita gebar einen kleinen Sohn, dem sie den Namen Sam gab und den sie, weil sie ja Österreicherin ist, Sammerl nannte, und der deshalb im Kindergarten zur … Weiterlesen Brot und Spiele

Im Reich der Sinne

Einmal musste ich mit meinem Fahrrad unfreiwillig das Einkaufszentrum "Von allen fünf Sinnen" aufsuchen, weil nur dort Gummipfropfen mit einem speziellen Durchmesser erhältlich waren, die ich benötigte, um meine Flaschen mit selbst gekeltertem Birnenmost während der Gärung zu verschließen. Das Zentrum war für mich die Hölle. Von den Decken zuckten überall die unregelmäßigen Blitze des … Weiterlesen Im Reich der Sinne