Um 01.35 wurde er durch ein lautes Geräusch, das eindeutig vom Erdgeschoss kam, geweckt. Das Schlafzimmer befindet sich im oberen Geschoss. Zum Leidwesen seiner Gattin hatte er - wenn auch sonst nicht mehr viel lief - ein halbscharf geladenes Gewehr genau in der Mitte des Ehebettes bei der kleinen Einbuchtung platziert. Schließlich wurde gerade in … Weiterlesen Der Einbruch
Kategorie: Literarisches Nachtgeflüster
Die Lesung
Er schlug die Seite 125 um 21.00 Uhr auf. Kaum ein Literat, der etwas auf sich hält, würde heutzutage noch tagsüber lesen. Im Raum ein Räuspern und Husten. Große Aufregung. Schließlich kam nicht alle Tage ein Bestsellerautor nach Obermuffenbeck. Vom Bürgermeister bis zur Dorflehrerin waren sie alle anwesend, samt Gattin bzw. Gatte versteht sich. Der … Weiterlesen Die Lesung
Aller guten Tode sind drei
Mitten in der Nacht fuhr ich aus dem Schlaf hoch. Ich hatte geträumt, dass mich jemand an den Fußsohlen gekitzelt hätte. Als ich die Augen aufschlug, stellte ich fest, dass tatsächlich jemand am Fußende meines Ehebettes saß. "Ich brauche mich nicht vorzustellen, oder?", sagte der Fremde. "Nein", antwortete ich und rieb mir die verquollenen Augen, … Weiterlesen Aller guten Tode sind drei
Ein nächtliches Geschäft
Agathe Reisbesner, die irgendwann im April nachts im Hauptquartier des Pharmakonzerns Goldpill die Büros putzte, wurde stutzig, als sie in der Geisterstunde mit ihrem Wedel den Schreibtisch des Direktors Muffensauser abstaubte und dabei unabsichtlich die Tastatur seines Laptops berührte. Auf dem Display erschien eine grellblinkende Anzeige, gespickt mit fernöstlichen Schriftzeichen, japanisch oder chinesisch vermutlich, die … Weiterlesen Ein nächtliches Geschäft
Heimweg
Die Lokalbahn kam um 2.32 in Bürmoos bei Salzburg an. Lisa war gut gelaunt und durch den Alkoholkonsum - wenn auch nur moderat - beeinträchtigt. Sieben Personen, darunter ein merkwürdiger Typ um die 40, stiegen aus der Lokalbahn aus und verstreuten sich in allen Richtungen. Nach einer Minute war keine Person mehr zu sehen, die … Weiterlesen Heimweg
Vollmond
Endlich wieder Vollmond. Sie spürt ihre Kraft, alles bereit zum Sprung. Langsam öffnet sie die Tür, ein Quietschen folgt. Dämmriges Licht, ideale Bedingungen. Sie geht über die Straße, um gleich danach in einen Feldweg einzubiegen. Entfernt ist ein ihr unbekanntes Tier zu hören. Ihre Fingernägel scheinen zu wachsen, sie spürt so etwas wie ein Fell … Weiterlesen Vollmond
Der schwarze Wenzel
Der schwarze Wenzel war ein wilder Hund, von Anfang an und Zeit seines Lebens, oder vielleicht war er sogar etwas noch Wilderes, ein Wolf, ein wilder Wolf, ein einsamer, wilder Wolf. Er wurde in einer Nacht geboren, in einer unheimlichen Nacht, am Fuß der Anden, als Sohn böhmischer Einwanderer, in einem gottverlassenen Dorf, in einer … Weiterlesen Der schwarze Wenzel
Die Königin der Nacht
Als die weltberühmte Sopranistin Ludmilla Trällerowa auf der Seebühne am Klopeiner See im Rahmen einer Aufführung der Zauberflöte gerade zu den Koloraturen in der Arie Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen ansetzen wollte, erklang just jener Melodiebogen, den zu singen sie im Begriff war und der unter den Sängerinnen als besonders anspruchsvoll gilt, von … Weiterlesen Die Königin der Nacht
Nachtleben
Er war dem Tag schon lang entkommen. Bürgerliche, die tagsüber leben, aber kaum Regungen zeigen können, glatte Gesichter, monotone Bewegungen. Oft wurde er unsicher, ob sie wirklich noch am Leben waren. In den Konzernen, bei Fastfood-Ketten und in den Versicherungsbüros arbeiteten sie Tag für Tag. Sicherheit und Anstand, vordergründige Moral, nichts mehr für ihn. Er … Weiterlesen Nachtleben
Nacht und Liebe
Er war aufgewacht, 2.30 Uhr und alleine. Er klappte den halben Körper aus dem Bett, um sich anschließend langsam zu erheben. Seine Knie spielten seit einiger Zeit nicht mehr ganz so mit. Aber er arrangierte sich damit, sollte wohl Schlimmeres geben. Jetzt ging er langsam die Treppen hinunter. Er drehte kein Licht auf, kannte den … Weiterlesen Nacht und Liebe
Gerechtigkeit
Einmal wachte Scheibner mitten in der Nacht auf. Der Mond draußen vor dem Fenster war zum Greifen nah. Scheibner stieg hinaus und berührte den Erdtrabanten mit der Hand. Er bestand zur Gänze aus eiskaltem Gold. Scheibner handelte schnell und holte seine Metallsäge aus dem Schuppen. Bis zur Morgendämmerung schaffte er es, den Mond in mehr … Weiterlesen Gerechtigkeit










