Eines Nachts erschien Wahnfried, der gelegentlich zu psychischer Instabilität neigte, im Traum die österreichische Schispringerlegende Bubi Bradl und forderte ihn auf, es ihm, Bradl, gleichzutun und von einer Schanze zu springen. Wenn er, Wahnfried, wahrhaft mutig sei, könne es gelingen, dass er gleich beim ersten Sprung seines Lebens hundert Meter schaffte. Wahnfried, der von Bradls … Weiterlesen Hero (just for one day)
Kategorie: Literarisches Nachtgeflüster
Gastbeitrag: Umweltverschmutzung mit Folgen
Er öffnete den Brief und begann zu lesen. Dann lächelte er. Ja, er, Ede Langfinger, wusste, wie man die Umwelt so verschmutzte, dass keiner außer seinem Boss eine Ahnung haben würde, was im Yellowstone Naturpark abgehen würde. Er freute sich schon auf die entsetzten Gesichter der Besucher, wenn die ein paar hundert Fässer Chemiemüll in … Weiterlesen Gastbeitrag: Umweltverschmutzung mit Folgen
Schäbingers Jungfrau
Ein einziges Mal nur war Maria unachtsam, als sie sich nachts, auf dem Rückweg vom heimlichen Spargelstechen, am Haus ihres Nachbarn, eines durchgeknallten Quantenphysikers namens Schäbinger vorbeischlich. Sie trat mit ihrer Schuhspitze in eine perfekt getarnte Schlinge und löste dadurch einen Mechanismus aus, der sie in ein engmaschiges Netz einwickelte und sie in die Krone … Weiterlesen Schäbingers Jungfrau
Der Dandy
Als Kind lernte er mit vier Jahren zu lesen. Mit sechs Jahren konnte er sich schon an Diskussionen mit Erwachsenen beteiligen. Seine Eltern wurde schnell klar, dass ihr Sohn kein Held des Alltags war. Der Alltag war ihm von Kindesbeinen an fremd. Sein Taschengeld investierte er in Kleidung, in Schmuck und Literatur. Er wurde zum … Weiterlesen Der Dandy
Maibach
Mitten in der Nacht ging er wie jeden Freitag in seine 500 m2 große Garage und startete ein Fahrzeug. Diesmal sollte es das Maibach-Cabrio S-650 sein. Die weißen Ledersitze im Budapester Stil gaben ihm sofort ein gutes Gefühl und das Geräusch des Biturbo-V12 ließen seine durch den Airscarf erwärmten Nackenhaare aufstehen. Die Garage öffnete sich … Weiterlesen Maibach
Hyäne
Ich bin 52 und ich heiße Nikolaus, weil ich an einem 6. Dezember geboren bin, mehr als drei Wochen zu früh, der errechnete Termin war nämlich der 31. Dezember, sagt meine Mutter, die es wissen muss und bei der ich immer noch wohne, und wenn ich da auf die Welt gekommen wäre, dann hieße ich … Weiterlesen Hyäne
Pirelli
Die Schwester Maria Annunciata, eine Nonne aus dem Orden der Servitinnen, hatte gegen Mittag als letzte verbliebene Insassin ihr Kloster in San Salvo an der italienischen Adriaküste verlassen und ihre Zelte dort für immer abgebrochen. Ihre Mitschwestern waren im Lauf der Jahre entweder verstorben oder hatten sich aus unterschiedlichen Gründen für ein weltlicheres Leben entschieden, … Weiterlesen Pirelli
Walpurgisnacht
Es gibt wenig Hoffnung. Alles ist friedlich in dieser Nacht, fast schon ein merkwürdiges Ruhen. Kaum jemand auf der Strasse, kein Lokal geöffnet, dafür nur sinnentleerte Homevideos, belehrende Leitartikel, diffuse Ängste und das große „Wir“. Endlich ein Lichtblick, die Änderung naht. Die Walpurgisnacht, durch Goethes Faust endgültig bekannt, muss Abhilfe schaffen. Lebensfreude, Fruchtbarkeit, Weltenbäume, Hexenfeuer, … Weiterlesen Walpurgisnacht
Der Flacon
Im Jahr 1742 erwarb er den Grad eines Doktors. Sofort beschloss er Priester zu werden, was seine Großmutter sehr goutierte. So kam es, dass er nach einiger Zeit nach Rom reiste. Es dauerte nicht lange und er lernte Papst Benedikt XIV. kennen. Sie plauderten längere Zeit sehr nett und er musste die gerade abgelaufene Fastenzeit … Weiterlesen Der Flacon
Brutalität
Es ist der Abend des 26. Oktober Zweitausendirgendwas. Ich höre Radio. Da kommt endlich, endlich, völlig unerwartet die erlösende Meldung: Österreich ist frei! Der letzte Virusträger, flötet der Nachrichtensprecher, sei gefunden worden und habe soeben das Land verlassen, ein Bayerischer Bazi, der jahrelang mit falschen Papieren am Salzburger Flughafen gearbeitet und dort die Messergebnisse für … Weiterlesen Brutalität
Wüstenfrühling
Krafat besuchte Areiski im Frühling 1979 das erste Mal. Im Flugzeug befanden sich seine drei Lieblingskamelhengste, die bei keiner Reise fehlten. Als er in Wien landete und sein Wüstenzelt mit angeschlossenem Stall im Stadtpark aufschlug, bemerkte er sofort die blumenbedeckte Wiese. Die Blumen schossen nur so aus der Wiese, dass Krafat zuerst etwas von Anschlag … Weiterlesen Wüstenfrühling
Wotan sieht rot
(... eine Fortsetzung zum "Kuhhandel" von vergangener Woche...) Wotan, der Zuchtbulle, hasste es, wenn sie ihn mitten in der Nacht weckten und an seinem Nasenring zogen. Er wusste sofort, was es bedeutete. Gleich würden sie ihn von der Kette losbinden und an einem Strick ins nahegelegene Laborgebäude hinüberführen, damit er dort zum wiederholten Mal die … Weiterlesen Wotan sieht rot
Auferstehung
Es war 1989 und er war siebzehn Jahre alt. Der Glaube an einen Osterhasen war natürlich bereits seit Jahren erloschen. Mit zehn Jahren freute er sich noch über sein neues Fahrrad und war sich ganz sicher, dass er den Osterhasen auch gesehen hatte. Und jetzt nur mehr Verwirrung und latente Unzufriedenheit. Dürfte er nicht alles … Weiterlesen Auferstehung
Der Maskenfetischist
Wieder war er, Langer, in der Nacht aufgewacht, wieder der gleiche Traum. Sichtlich erregt lag er kurzatmig in seinem Bett. An die Tagträumereien hatte er sich gewohnt, aber in der Nacht hatte die Phantasie eine ganz andere Intensität. Lauter Menschen mit Masken, Frauen wie Männer, wie schön das war. Das Verdeckte, das Verborgene, das weckte … Weiterlesen Der Maskenfetischist













