Er brach früh am Morgen auf. Seine Schneegamaschen saßen perfekt. Im Rucksack befand sich ein kühles Bier, kein Tee, der nur kalt werden würde. Ein paar Nüsse hatte er ebenfalls eingepackt. Das Knirschen des Schnees hatte etwas äußerst beruhigendes. Konsequent, aber nicht hektisch, setzte er seinen Weg Richtung Gipfel fort. Oben am Gipfel freute er … Weiterlesen Die Winterwanderung
Der Herr der Fliegen.
Jessas, Maria und Josef. Jetzt ist die Bierflasche schon wieder mit halb vollem Inhalt heruntergefallen. Das gibt es ja nicht, ausgerechnet in seinem Stammlokal passierte das schon nun das dritte Mal in einem Monat. Aufregung sollte mit 93 Jahren und etwas zittrigen Händen wohl eher vermieden werden. Aber ein vergossenes Bier, das muss man sich … Weiterlesen Der Herr der Fliegen.
Farbenlehre
Irene Hopfer, die sich mit ihrer Truppe beim Vorglühen verkracht hatte, zog am Samstagabend allein weiter um die Häuser. Sie fiel in eine neue Bar, die "Law and Order" hieß. Bis vor kurzem hatte sich an der selben Stelle das "Laissez-faire" befunden, das am Ende nicht mehr gut gegangen war. Das neue Lokal war bis … Weiterlesen Farbenlehre
Gastbeitrag: Wie es kam, dass Claus Peymann sich eine Hose kaufen musste und anschließend mit Thomas Bernhard essen ging
Zu einer Zeit, als man mit dem Auto genauso schnell von Linz nach Wien fahren konnte wie mit der Eisenbahn, hatte Herr Emm eine gewisse Theaterleidenschaft entwickelt. So kam es vor, dass er sich in seinen Wagen setzte und nach Wien fuhr um eine Vorstellung des Burgtheaters zu besuchen. Zu dieser Zeit war Claus Peymann … Weiterlesen Gastbeitrag: Wie es kam, dass Claus Peymann sich eine Hose kaufen musste und anschließend mit Thomas Bernhard essen ging
Lied und Leid
Irene Hopfer, die gerade mit der Lokalbahn von der Universitätsbibliothek aus Salzburg zurückgekehrt war, hatte ein ungutes Gefühl, als sie spät abends den Stille-Nacht-Bezirk in Oberndorf durchquerte. Der Mond grinste in fahler Häme herunter. In letzter Zeit hätte es unangenehme Vorfälle gegeben, munkelte man, die Polizei hatte zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen, war aber vage geblieben... … Weiterlesen Lied und Leid
Bierwelt 4.0
Sie waren jung, ambitioniert, anders. Das Büro eine alte Lagerhalle, neu gestaltet, mit Cubes und zentraler Kocheinheit. Jeden Tag ein anderer Arbeitsplatz, Besprechungsräume nach Themengebieten, grüne Wiesen an der Wand. Sie saßen vor Apple-Laptops, die mittels Docking-Station an großen Bildschirmen angeschlossen waren. Natürlich alle perdu, per du. Großraumbüro, mittels Raumteiler abgeschlossen, Wohlfühloasen. Der obligatorische Wuzzler … Weiterlesen Bierwelt 4.0
Herbstbockbier
Rauschen. Blätter. Wald. Später Herbst. 1890. Natürlich wahre Begebenheit. Ein Braugeselle hatte trotz weit vorgeschrittener Herbstzeit einige Bierfässer im Freien der Brauerei vergessen. Es war bereits frostig, sodass das Gebräu in den Fässern gefror. Drei Tage später erst wurden die fehlenden Fässer im Freien entdeckt. Der Braumeister war vor Wut außer sich, vermutlich ... Haben … Weiterlesen Herbstbockbier
Pest und Cholera
Nur unter stummem innerem Protest pfiff Goldwaaginger das Rückspiel zwischen dem SV Größenwahn und dem Gastgeber Normalia Nüchtern überhaupt an. Das Hinspiel hatten die Größenwahner, die von der gleichnamigen Brauerei gesponsert wurden, zu Hause mit 0:1 verloren, und er, Goldwaaginger, hatte in der 89. Minute einen fragwürdigen Handelfmeter gegen die Größenwahner gegeben, der alles entschieden … Weiterlesen Pest und Cholera
Nahbiererlebnis
Einmal, als die berühmte Rallye noch von Paris nach Dakar führte, nahm Fetzer teil, auf eigene Faust und Rechnung. Er hatte seinen kleinen gelben Peugeot privat aufgemotzt und jedes freie Fleckchen auf dem Lack mit Aufklebern der St. Größenwahner Brauerei versehen, in der Hoffnung auf ein wenig finanzielle Unterstützung. Fetzer wurde jedoch vom Eigentümer der … Weiterlesen Nahbiererlebnis
Im Kloster
Der Kühlschrank war voll. Er wollte sich eine Auszeit nehmen. Zu viel von allem, zu viel von der Einen. Er kam abends an. Die Brüder schliefen noch nicht. Er setzte sich zu ihnen, sie aßen und beteten. Der Moment war befreiend. Sie zeigten ihm sämtliche Räumlichkeiten. Alte Gemäuer, die Geschichte konnte er spüren. Hatte er … Weiterlesen Im Kloster
Das Ende
Er war siebenundachtzig und hatte letzte Woche „Memoria de mis putas tristes“ von Gabriel Garcia Márquez in der spanischen Originalfassung gelesen. Er war bereit zu sterben. Der Tod machte ihm nichts mehr aus. Vorher aber musste er noch einmal im „Alten Fuchs“, seinem Lieblingslokal, essen und trinken. So oft war er dort, immer allein. Auch … Weiterlesen Das Ende
Eine Bierografie
Irene Hopfer, engagierte Studentin der vergleichenden Abstinenzwissenschaften, stand einst vor dem berüchtigten siebten, dem sogenannten Biersemester. Schon im Hefeweizenkolloqium konnte sie nicht widerstehen und soff den Dozenten mühelos unter den Tisch. Durch das Stout- und Ale-Praktikum rasselte sie mit null Punkten, weil sie alle Proben auf ex austrank, anstatt sie zu analysieren. Das große obergärige … Weiterlesen Eine Bierografie
Schöne Zähne
Unter all den Malzmägden der Schlossbrauerei zu St. Größenwahn war Adelheid die mit den schönsten Zähnen. Das Leben einer Malzmagd war beschwerlich in jenen Tagen, ein ständiges Säubern und Trocknen und Weichen und Darren und Putzen und Polieren und Mischen, und am zehrendsten von allem war das Suchen des Malzes, wenn es wieder einmal zusammen … Weiterlesen Schöne Zähne
Marathon
Irene Hopfer lief locker los. Bis Kilometer 21 lief alles bestens. An den Wasserstationen hat sie ihren Bedarf an Flüssigkeiten immer wieder auffüllen können. Sie war auf dem Weg zu einer neuen persönlichen Bestzeit. Bei Kilometer 22 passierte es dann. Sie sah um sich: Lauter wassertrinkende, eher traurig wirkende laufende Menschen mit einem aufgesetzten gequälten … Weiterlesen Marathon













